Cannabis muss in die Medizin

Über den Einsatz und die Wirkung von Cannabinoiden in der Medizin wurde bei der SACM-Tagung 2016 in Bern referiert. Unser Forschungsteam war dabei und nahm am Austausch weltweit führender Cannabisexperten teil.

Unser Resümee:

  • Cannabis wird mittlerweile erfolgreich in der Psychiatrie, bei der Schmerzbehandlung und bei der Behandlung von neuropathischen Krankheiten eingesetzt. Erste klinische Studien konnten hier einen medizinischen Nutzen zeigen.
  • Zum Einsatz von Cannabinoiden in der Krebstherapie fehlen bislang klinische Studien, aber hier ist Bewegung in Sicht.
  • Renommierte Cannabisexperten plädieren für eine Wiederzulassung von Hanfprodukten in der Medizin.

Team

Vordere Reihe von links nach rechts: Alexander Kristen, Geschäftsführer MCRA, Ao. Univ.-Prof. Dr. Rainer Schmid, wissenschaftlicher Leiter MCRA. Hintere Reihe von links nach rechts: Daniel Stiel, Produktionsleiter Flowery Field, Dr. Lisi Xie, Biotechnologin und Laborleiterin bei MCRA

Der Bedarf an Medizinalhanf nimmt ständig zu. Die Forschung über Cannabinoide in der Medizin rückt zunehmend in den Fokus. Die Hintergründe dieser Entwicklung standen bei der Schweizer Tagung im Vordergrund und garantierten spannende Expertengespräche zum Stand der Cannabisforschung.

Zahlreiche Ärzte und Cannabisforscher referierten am 12. November Inselspital-Universitätsspital Bern über den medizinischen Anwendungsbereich von Cannabis etwa bei Krebs, bei entzündlichen Darmerkrankungen, bei neurologischen Krankheiten und auch in der Palliativmedizin. Über rechtliche und regulatorische Aspekte wurde ebenso diskutiert wie über internationale Verschreibungsmodelle wie jene der USA und Israels. Über „Cannabinoide in der österreichischen Hausarztpraxis“ hielt der österreichische Allgemeinmediziner Dr. Kurt Blaas einen nahezu euphorischen Vortrag.

Blaas dokumentierte anhand vieler Patientenberichte, dass Cannabis Schmerzen lindert und Krämpfe löst und allgemein sehr gut wirkt – und das ohne Nebenwirkungen vor allem bei jenen Patienten, denen sonst seit Jahren kein anderes Medikament mehr hilft.

Alexander Kristen„Patienten möchten etwas, das gut wirkt und keine Nebenwirkungen hat. Das ist heute unter medizinischer Anleitung problemlos möglich. Gerade natürliche Cannabissubstanzen lassen sich optimal einsetzen und sind leistbarer als chemische Substanzen. Tees und Tropfen aus natürlichen Cannabissubstanzen sind sehr gut verträglich und einfach in der Anwendung, gerade bei älteren Patienten.“

Allgemeinmediziner Dr. Kurt Blaas

 

Cannabinoiden in der Krebstherapie
Dass die Pflanze in der Psychiatrie, bei der Schmerzbehandlung sowie bei der Behandlung von neuropathischen Krankheiten von medizinischem Nutzen ist, weisen inzwischen viele Studien nach. Auch der Einsatz von Cannabinoiden in der Krebstherapie wurde auf dem Kongress thematisiert, hier wurde der Schritt von der präklinischen zur klinischen Phase allerdings aus Kostengründen noch nicht gesetzt. Doch auch dazu hatte der Cannabiskongress eine hoffnungsvolle Nachricht: In einer geplanten klinischen Studie von Dr. Guillermo Velasco sollen die Auswirkungen des Medikaments Sativex in Verbindung mit dem Zytostatikum Temozolomid auf den bösartigen hirneigenen Tumor Glioblastom untersucht werden.

Plädoyer für Hanfprodukte in der Medizin
Organisiert wurde die Tagung übrigens von Rudolf Brenneisen, er ist Professor der Pharmazie und gilt als einer der international führenden Cannabisforscher. Brenneisenarbeitete als externer Chemiker und Analyst für die US-Drogenbehörde DEA und war von 1998 bis 2014 Forschungsgruppenleiter im Departement Klinische Forschung an der Universität Bern. Er ist Mitglied der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Cannabinoide in der Medizin und hat mit seinen Kollegen den hochrangig besetzten Kongress auf die Beine gestellt. Brenneisen kämpft seit Jahrzehnten für eine Entmystifizierung und Anerkennung der Pflanze als Heilmittel. Seinen Ruf als führender Experte für die Erforschung von Cannabis hat er sich mit bahnbrechenden Forschungen erworben. Neben dem Austausch weltweit führender Cannabisexperten war ein zentrales Ziel seiner Tagung, die Basis für eine Wiederzulassung von Hanfprodukten in der Medizin zu legen. Dazu gab Brenneisen auch der Wiener Zeitung unlängst ein Interview. Nachzulesen hier

Prof. Rudolf Brenneisen„Es ist für mich aus ethisch-medizinischer Sicht unhaltbar, wenn sich ein Patient sein Medikament, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hat, illegal auf der Straße besorgen muss. Qualität und Zusammensetzung, die Gewichtung der Wirk- und Inhaltsstoffe sind so nicht bekannt, die Patienten wissen auch nicht, ob das Cannabis mit Pestiziden behandelt wurde. Der Bedarf ist aber gegeben.“

Prof. Rudolf Brenneisen

 

In der Sendung „Tagesgespräch“ des Schweizer Radios und Fernsehens erzählte Brenneisen, warum die Wiederzulassung von Hanfprodukten in der Medizin ein dringend notwendiger Schritt für Forschung und Medizin ist. Das Gespräch zum Nachhören
Wir hatten den Eindruck, dass man in Bern diesem Ziel wieder einen Schritt nähergekommen ist und freuen uns auf die nächste SACM-Tagung!

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